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Lützower Artillerie 1813 Traugott Fritze e.V.

Geschichte

Lützows wilde, verwegene Jagd

Ein Freikorps ohne Geld, eine Uniform aus der Not, und daraus wurden die Farben einer Nation. Die Geschichte der Truppe, die wir darstellen, und der Batterie, nach deren Kommandeur wir heißen.

Winter 1812: Napoleon verliert eine Armee

Von den rund 600.000 Mann, mit denen Napoleon im Juni 1812 nach Russland gezogen war, kehrte nur ein Bruchteil zurück. Was im Dezember über die preußischen Grenzen taumelte, waren Reste.

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. In Preußen, das seit 1806 gedemütigt und zur Heeresgröße von 42.000 Mann gezwungen war, begriffen viele dasselbe: Wenn überhaupt je, dann jetzt.

Unter ihnen Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow, meist Adolf von Lützow genannt, Major außer Dienst. Er hatte 1807 zu den Verteidigern von Kolberg gehört, einer der wenigen preußischen Festungen, die bis zum Frieden nicht gefallen waren, und schon mit dem Schillschen Freikorps gegen die französische Besatzung gekämpft.

Reste der französischen Armee ziehen im Winter durch verschneite Weite zurück
IllustrationDer Rückzug aus Russland, Winter 1812. Das Signal, auf das viele gewartet hatten.
Ein preußischer Offizier wirbt vor jungen Männern in Zivil auf einem Dorfplatz
IllustrationRekrutierung in Rogau. Wer kam, brachte mit, was er hatte.

Februar 1813: ein Korps ohne Etat

Lützow ersuchte den König um die Aufstellung eines Freikorps. Die Genehmigung kam, aber mit einer Auflage: Mit finanzieller Unterstützung sei nicht zu rechnen. Wer eintrat, musste sich selbst einkleiden und ausrüsten. Die Kabinettsorder zur Aufstellung freiwilliger Jägerdetachements datiert vom 3. Februar 1813.

Lützow eröffnete in Rogau sein Rekrutierungsbüro. Seine Reden (freiheitlich, demokratisch, auf ein einiges Deutschland gerichtet) zogen ein Publikum an, das in einer regulären Armee selten war: Studenten, Gelehrte, Handwerker, daneben ehemalige Militärs.

Theodor Körner quittierte den Dienst am Wiener Hoftheater. Friedrich Ludwig Jahn und Friedrich Friesen brachten weitere Anhänger. Übriggebliebene Mitstreiter des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer traten als Tiroler Jäger ein. Weil die Leute aus allen deutschen Ländern kamen, nicht nur aus Preußen, wurde das Korps zum Sinnbild einer gesamtdeutschen Sache.

Die Uniform, die zur Flagge wurde

Schwarz war nicht als Symbol gewählt, sondern aus Not. Wer eintrat, brachte mit, was er hatte, und das Korps kaufte zusammen, was an Tuch aufzutreiben war. Schwarz war die einzige Farbe, in der sich diese ungleichen Vorräte aus Depots und vom Markt einheitlich einfärben ließen.

Dazu kamen rote Vorstöße (schmale Paspeln entlang der Nähte) und Knöpfe aus Messing. Auf dem schwarzen Tschako saßen eine messingfarbene Agraffe und die preußische Kokarde in Schwarz und Weiß. Infanterie, Artillerie und Ulanen trugen die Litewka, einen weit geschnittenen Rock, die Husaren Dolman und pelzverbrämte Mäntel. Die Lanzenfähnchen der Ulanen waren schwarz-rot.

Körner feierte das Korps in seinem Gedicht „Lützows wilde, verwegene Jagd“ und machte diese Erscheinung in ganz Deutschland bekannt.

Schwarz, weil kein Geld für Tuch da war. Rot für die Vorstöße. Gold für die Knöpfe. Aus einer Sparlösung wurden die Farben einer Nation.
Ein dampfender Färbebottich, Männer tauchen Röcke in schwarze Farbe
IllustrationGefärbt wurde, was man hatte. Daher die Farbe.

Die Artillerie und Traugott Fritze

Der Teil des Korps, den wir darstellen, und der Mann, nach dem unser Verein benannt ist.

Eine reitende Batterie in Bewegung, sechs Pferde ziehen eine Protze mit Kanone
IllustrationReitende Artillerie: Die Bedienung sitzt auf, deshalb ist sie schnell genug für die Kavallerie.

Am 9. Juni 1813 wurde die Artillerie des Korps aufgestellt. Sie bestand aus zwei Teilen: einer reitenden Batterie unter Premierleutnant Fritze und einer Fußbatterie.

Der Unterschied ist wesentlich. Bei der Fußartillerie marschiert die Bedienmannschaft neben dem Geschütz her. Bei der reitenden Artillerie sitzt jeder Kanonier auf. Dadurch hält die Batterie mit der Kavallerie Schritt und kann dort auftauchen, wo niemand mit Geschützen rechnet. Für ein Freikorps, das von Überraschung lebte, war das genau die richtige Waffengattung.

Später ging die Einheit als 14. reitende Batterie in die schlesische Artillerie über.

Aufgestellt
9.6.1813reitende Batterie
Geschütze reitend
5eine Haubitze, vier eiserne Kanonen
Geschütze zu Fuß
3eiserne Kanonen
Pferde
54allein für die reitende Batterie
Mannschaft
ca. 120beide Batterien zusammen
Kavallerie überfällt eine abziehende Marschkolonne auf einem Feldweg
IllustrationDer Überfall bei Kitzen, 17. Juni 1813.

17. Juni 1813: der Überfall bei Kitzen

Im Juni 1813 galt ein Waffenstillstand. Die Lützower befanden sich in befriedetem Gebiet und zogen unter zugesagtem freiem Geleit ab.

Auf dem Marsch wurde die Kolonne von französischer und württembergischer Reiterei unter General Fournier gestellt. Als einige Späher gefangen wurden, ritt Lützow selbst zum gegnerischen Kommandeur und forderte ihre Freilassung. Die Gefangenen wurden übergeben. Doch kaum war Lützow abgeritten, erging der Angriffsbefehl, und die Reiter fielen der abrückenden Kolonne in den Rücken.

Am härtesten traf es die Reiterei des Korps, die niedergemacht wurde; die Infanterie konnte sich größtenteils durchschlagen. Rund 150 Mann gerieten in Gefangenschaft und wurden nicht als Soldaten behandelt, sondern als „schwarze Banditen“. Lützow und Theodor Körner entkamen beide schwer verwundet. Das Korps wurde danach neu aufgestellt, erreichte aber nie wieder seine alte Stärke.

Die Stationen

Das Freikorps bestand knapp zwei Jahre. In dieser Zeit wurde es zur bekanntesten Truppe der Befreiungskriege.

  1. Dezember 1812

    Napoleons Reste kehren zurück

    Der Rückzug aus Russland macht sichtbar, dass die Grande Armée schlagbar ist. In Preußen beginnt die Erhebung.

  2. 3. Februar 1813

    Die Kabinettsorder

    Der König genehmigt die Aufstellung freiwilliger Jägerdetachements, ohne finanzielle Unterstützung. Die Freiwilligen rüsten sich selbst aus.

  3. Frühjahr 1813

    Zulauf aus allen deutschen Landen

    Körner, Jahn, Friesen, die Tiroler Jäger. Das Korps wird zum Sinnbild einer gesamtdeutschen Sache, nicht einer preußischen.

  4. 9. Juni 1813

    Aufstellung der Batterie

    Die reitende Batterie unter Premierleutnant Fritze: eine Haubitze, vier eiserne Kanonen, 54 Pferde. Dazu eine Fußbatterie mit drei Kanonen.

  5. 17. Juni 1813

    Der Überfall bei Kitzen

    Während des Waffenstillstands und trotz zugesagten freien Geleits wird die abziehende Kolonne überfallen. Die Reiterei des Korps wird niedergemacht.

  6. 26. August 1813

    Theodor Körner fällt

    Bei Gadebusch, wenige Stunden nach der Niederschrift seines „Schwertlieds“. Er wird zum Sinnbild der jungen Gefallenen.

  7. 16. September 1813

    Gefecht an der Göhrde

    Eines der wenigen großen Gefechte, an denen das wiederaufgestellte Korps geschlossen teilnimmt.

  8. Oktober 1813

    Eroberung Bremens

    Wenige Tage vor der Völkerschlacht bei Leipzig.

  9. 1814

    Das Ende als Freikorps

    Nach Napoleons erster Abdankung werden die Reste in die Linientruppen überführt: als Infanterie-Regiment Nr. 25 und Ulanen-Regiment Nr. 6.

  10. 1815

    Die Urburschenschaft

    Studenten, darunter viele Veteranen des Korps, gründen in Jena die erste Burschenschaft. Sie tragen weiter Schwarz mit Rot und Gold.

Die Menschen

Das Korps zog Leute an, die anderswo Karriere gemacht hätten, und einige, die dort gar nicht hätten sein dürfen.

Theodor Körner

Dichter, gab seine Stellung am Wiener Hoftheater auf. Fiel am 26. August 1813 bei Gadebusch, 21 Jahre alt. Sein Gedicht „Lützows wilde, verwegene Jagd“ machte die schwarze Uniform in ganz Deutschland populär.

Eleonore Prochaska

Diente als Jäger August Renz verkleidet im Korps, wurde am 16. September 1813 im Gefecht an der Göhrde tödlich verwundet und starb am 5. Oktober 1813. Ihr Geschlecht wurde erst bei der Verwundung entdeckt. Sie gilt als eine der ersten dokumentierten Soldatinnen der deutschen Geschichte.

Friedrich Ludwig Jahn

Der „Turnvater“. Warb Anhänger für das Korps und gehörte nach dem Krieg zu den Vordenkern der Jenaer Urburschenschaft. Sein Mitstreiter Friedrich Friesen erlebte deren Gründung nicht mehr: Er fiel im März 1814 in Frankreich.

Joseph von Eichendorff

Einer der bedeutendsten Dichter der Romantik.

Friedrich Fröbel

Pädagoge, später Begründer des Kindergartens.

Adolf von Lützow

Der Namensgeber des Korps. Mitverteidiger von Kolberg, zuvor beim Schillschen Freikorps. Überlebte Kitzen schwer verwundet und wurde 1815 bei Ligny erneut verwundet und gefangen genommen.

Das Erbe: von der Uniform zur Bundesflagge

Am 12. Juni 1815 gründeten Studenten in Jena die erste Burschenschaft, viele von ihnen Veteranen des Korps. Sie trugen weiter Schwarz. 1816 stickten ihnen die „Frauen und Jungfrauen von Jena“ eine Fahne: rot-schwarz-rot mit einem aufgelegten goldenen Eichenzweig, nach dem Vorbild der Lützower Uniform. Öffentlich gezeigt wurde sie zuerst 1817 auf dem Wartburgfest.

Von Universität zu Universität verbreiteten sich die Farben als Zeichen für Einheit und Freiheit. 1832 wehten sie beim Hambacher Fest, 1848 über der Frankfurter Nationalversammlung.

Die Bundesflagge, die heute auf jedem Amt hängt, geht auf einen schwarz gefärbten Rock, eine rote Paspel und einen Messingknopf zurück. Das ist keine Legende, sondern die nachweisbare Linie. Sie ist der Grund, warum wir diese Truppe darstellen und keine andere.

Studenten in schwarzen altdeutschen Röcken unter einer Fahne mit goldenem Eichenzweig
IllustrationJena: Studenten und Veteranen des Korps gründen 1815 die Urburschenschaft.

Geschichte zum Anfassen

Wir erzählen sie nicht nur, wir stellen sie dar: mit funktionierendem Gerät.